Wie lange noch…?

Sie haben die Frage bestimmt auch schon einmal gehört – von Ihren Kindern („Wie lange dauert es noch, bis wir endlich da sind?“) oder im eher geschäftlichen Zusammenhang („Wie lange dauert dieses Meeting denn noch?“). Wenn Sie doch nur in der Lage wären, das vorherzusagen! Die Fähigkeit, Vorhersagen im Zusammenhang mit Prozessen zu treffen, ist eine wesentliche Funktion von Process Mining-Tools und Thema des heutigen Blogs.

Wie bereits kurz im letzten Blog angerissen arbeitet Process Mining mit Event Logs. In einem Event Log finden sich zwei Arten von Datensätzen: zum einen historische Daten, d.h. Informationen über Fälle, die bereits abgeschlossen sind, und zum anderen aktuelle Daten, d.h. Informationen über Fälle, die noch „aktiv“ sind. Während historische Daten zur Ex-Post-Analyse und als Basis für Prozessverbesserungen genutzt werden können, können aktuelle Daten genutzt werden, um eine bestimmte Handhabung aktiver Fälle zu gewährleisten.

Wie funktioniert das Ganze? Sie benötigen einerseits ein Vorhersagemodell, das sich aus historischen Event Logs speist, und andererseits unvollständige Datenspuren aktiver Fälle. Basierend auf der Kombination dieser Informationen werden Vorhersagen getroffen wie bspw. die verbleibende Bearbeitungszeit eines Falls, die Wahrscheinlichkeit, eine Deadline einzuhalten oder die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Tätigkeit ausgeübt wird. Es ist wichtig sich vor Augen zu führen, dass Event Logs mehrdimensional sind und auch zusätzliche Attribute wie Ressourcen oder Kosten beinhalten können. In diesem Fall sind dann auch Vorhersagen zur Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Ressource eingebunden wird oder Gesamtkosten-Prognosen möglich.

Nehmen wir an, dass die Vorhersage ergibt, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit eine kritische Deadline verfehlt wird. Mit all den Daten im Hintergrund sind Sie nun in der Lage, spezifische Handlungsempfehlungen zur Minimierung der verbleibenden Durchlaufzeit zu geben. So wird die Wahrscheinlichkeit, die Deadline doch noch einzuhalten erhöht und der aktive Fall positiv beeinflusst.

Bedenken Sie jedoch: eine Vorhersage ist nur so gut, wie die Daten und die Kontext-Informationen, die in die Vorhersage eingeflossen sind. Daher sollten Sie immer auch ihren gesunden Menschenverstand einschalten, um rein rechnerische Ergebnisse zu verplausibilisieren.