Highlights von der ICPM 2019

Zwischenzeitlich gibt es viel Getöse um Process Mining und man kann zu dem Thema verschiedenste Artikel, Meetups und Marketingbroschüren finden. Die erste Internationale Process Mining-Konferenz #icpm2019 vergangene Woche in Aachen war wohltuend anders. Rund 420 Teilnehmer aus der ganzen Welt waren gekommen, um aktuelle Erkenntnisse aus der akademischen Forschung und der Industrie auszutauschen. Zwei sehr interessante Panel-Diskussionen sowie eine Ausstellung von Process Mining-Tools komplettierten das Programm.

Als Mensch aus der Praxis treibt mich im Wesentlichen die Frage um: warum arbeiten nicht mehr Menschen mit Process Mining? Fast jeder, der einmal gesehen hat, was Process Mining aus den eigenen Daten macht ist erschlagen von der Komplexität der Ist-Prozesse. Mehr oder weniger sofort kommen einem Tausende Ideen in den Kopf, was verbessert werden könnte. Ich persönlich hätte unglaublich gerne mit Process Mining gearbeitet, als ich noch für das Performance Management eines Shared Services in einem großen europäischen Konzern verantwortlich war.

Die Konferenz konnte hierauf, zumindest aus meiner Sicht, einige Antworten liefern.

Die wichtigste: auch, wenn wir über automatisierte Prozessentdeckung, Konformitätsprüfung oder gar Vorhersagen sprechen, geht es zuallererst immer um Menschen! Man braucht ein engagiertes Team mit breit gefächerten Kenntnissen, um zunächst Process Mining technisch zu implementieren, aber dann auch, um die Ergebnisse sinnvoll analysieren und interpretieren zu können. In diesem Zusammenhang werden die Firmen vermutlich nicht darum umhinkommen, einen Teil ihrer Mitarbeiter weiter zu qualifizieren. Man muss lernen, sich vom Ideal der Perfektion freizumachen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – ansonsten wird man von der schieren Anzahl an Varianten und Ausreißern überwältigt. 80/20 ist meist mehr als genug!

Bei der Skalierung muss man sowohl mit technischen Problemen und Bedenken wie bspw. verteilter Information oder Datensicherheit umgehen, als auch mit organisatorischen Themen wie übergrei­fender Steuerung oder der Sicherstellung eines Mehrwerts überall im Unternehmen.

Zu guter Letzt gab es auch noch die Bitte an die Vertreter der Forschung, mehr Kontext-Informationen zu berücksichtigen, um lokale Optimierungen oder unzureichende Vorhersagen zu vermeiden. Außerdem sollten Vorhersagen in Aktionen münden, jedoch auf sinnvolle Art und Weise, um Phänomene wie bspw. die sogenannte Alarmmüdigkeit zu umgehen.

Ich persönlich bin schon sehr gespannt, die Fortschritte auf der 2. ICPM in Padua (Italien) im kommenden Oktober zu sehen.